Stimmprothesenverlust/Stimmprothesendislokation

Der bemerkte Stimmprothesenverlust

Verweilprothesen (indwelling Prothesen) werden durch ihre Flansche im Shunt fixiert. Bei Manipulationen (z.B. beim Absaugen oder Reinigen der Stimmprothese mit dem Bürstchen) können sie akzidentell disloziert werden. Dies geschieht meist Richtung Ösophagus und wird vom Patienten bemerkt. Eine Dislokation in die Trachea kann leicht geschehen wenn die Stimmprothese etwas in die Trachea hineinragt und eine Trachealkanüle getragen wird. Wenn die Kanüle beim Einführen in die Trachea auf dem trachealen Flansch der Stimmprothese aufsitzt, wird die Stimmprothese beim weiteren Vorschieben der Kanüle in die Trachea disloziert. Wird der Verlust der Stimmprothese bemerkt, so sollten Patienten informiert sein, dass sie sich umgehend zum Neueinsatz einer Stimmprothese vorstellen sollten. Ist dies nicht umgehend möglich sollte der Shunt mit einer Magensonde gesichert werden. Klinisch steht in der Regel die Aspirationsproblematik im Vordergrund. Auch wenn die Stimmprothese in die Trachea gefallen ist kommt es selten zu Atemnot. Das Sprechen ist auch ohne Stimmprothese gut möglich so lange der Shunt sich nicht spontan verschließt.

Der unbemerkte Stimmprothesenverlust

Wird der Verlust der Stimmprothese nicht bemerkt, was häufiger bei sehr alten Patienten und Patienten in deutlich reduziertem Allgemeinzustand vorkommt, besteht meist bereits eine manifeste Aspirationspneumonie. Seltener ist eine absolute Sprechunfähigkeit das führende Symptom des unbemerkten Verlustes der Stimmprothese und des dann bereits zugewachsenen Shuntes. Hierzu kommt es wenn die Stimmprothese im Shunt einwächst und dabei in die Speiseröhre wandert (siehe auch Prothesenextrusion). Der Shunt verschließt sich hierbei auf der Trachealseite über der Stimmprothese. Die Stimmprothese ist schließlich nicht mehr darin sichtbar und erst beim schon fast geschlossenen Shunt treten Probleme beim Sprechen auf.

Diagnostik

Durch Inspektion, flexible transnasale Endoskopie und Sondierung des Shuntes (falls noch möglich) wird der Verlust der Stimmprothese festgestellt. Eine flexible Tracheoskopie zum Ausschluss der Dislokation der Prothese in die Luftröhre und Bronchien (siehe Abb. 3) sollte immer erfolgen. In Einzelfällen kann auch eine Röntgenuntersuchung (Die meisten Stimmprothesen haben röntgendichte Anteile, siehe Abb. 1 und 2) des Thorax zur Lokalisation der Stimmprothese nützlich sein. Ist die Stimmprothese in die Speiseröhre (Abb. 4) gefallen, kann ihre spontane Ausscheidung abgewartet werden. In einem Fall wurde ein Darmverschluss durch eine Stimmprothese in der Literatur beschrieben, so dass sich eine entsprechende Information des Patienten empfiehlt (Hiltmann O, Buntrock M, Hagen R. Mechanical ileus caused by a Provox voice prosthesis - an "iatrogenic" enteral complication in voice prosthesis rehabilitation of laryngectomees, Laryngorhinootologie. 2002 Dec;81(12):890-3.)

Abb 1.
Röntgendarstellung einiger gängiger Stimmprothesen
Abb. 2:
Röntgendichter ösophagealer Flansch einer aspirierten Stimmprothese (*)
Abb. 3
Endoskopischer Blick auf eine in die Trachea dislozierte und eingewachsene Stimmprothese. Die Trachea ist aufgrund der seit Tagen bestehenden Aspiration mit Sekret behaftet und gerötet.
Abb. 4
Endoskopischer Blick auf eine in den Ösophagus dislozierte Stimmprothese.
Abb.5 Sicherung des Shuntes durch Einsatz eines Dilatators

Therapie bei Stimmprothesenverlust

 

Therapeutisch sind 3 Schritte notwendig

Die Reihenfolge dieser Schritte sollte entsprechend dem führenden Symptom erfolgen. Wenn die aspirierte Stimmprothese Luftnot verursacht, muss sie zuerst entfernt werden. Steht die Aspiration im Vordergrund ist zunächst die Aspiration abzustellen.

 

A) Suche und ggf. Entfernung der dislozierten Stimmprothese

In jedem Fall einer „verlorenen“ Stimmprothese sollte eine Dislokation der Stimmprothese in die Trachea ausgeschlossen werden. Hierfür eignen sich flexible Endoskope sehr gut. Findet sich eine Stimmprothese im Tracheobronchialsystem, so kann sie sowohl flexibel als auch starr endoskopisch entfernt werden.

Ist die Stimmprothese in den Ösophagus disloziert, kann ihre spontane Ausscheidung abgewartet werden. Nur in sehr seltenen Fällen führt dies zu Komplikationen.

B) Sicherung des Shuntes und Verhinderung der Aspiration

Um den Shunt zu sichern und die Aspiration zu stoppen wird ein Dilatator in den Shunt eingesetzt (Abb.5) . Ist der Shunt bereits so weit geschrumpft, dass kein Dilatator mehr ein zu setzen ist, kann unter Umständen mit einem kleinen Absaugkatheter der Shunt noch sondiert und in Seldinger-Technik aufgedehnt werden.

C) Neueinsatz einer Stimmprothese

Konnte der Shunt gesichert und ausreichend dilatiert werden, kann anterograd eine neue Stimmprothese eingesetzt werden. Ist der Shunt bereits stark geschrumpft und schlecht zu dilatieren muss unter Umständen ein retrograder Stimmprotheseneinsatz erfolgen um die korrekte Platzierung der Stimmprothese zu gewährleisten.

Wenn der Shunt bereits verschlossen ist, kann nach Abheilung des Situs ein neuer Shunt angelegt werden.